Hotel Ruchti

Sagenumwobener Mythos: Der Alatsee

Sechs Kilometer westlich von Füssen in Richtung Weißensee liegt ganz versteckt zwischen hohen Schilfgräsern und umringt von dunklen Wäldern auf einer Höhenlage von 868 Metern über dem Meeresspiegel der geheimnisvolle Alatsee. Das Besondere am Alatsee ist, dass er sich auf einem Grat, dem so genannten "Saloberrücken" erstreckt, welcher sich von Füssen nach Pfronten zieht und ein Relikt der letzten Eiszeit darstellt. In einer Senke, ganz oben auf dem Grat bildete sich vor langer Zeit der Alatsee. 

Rund 500 Meter tiefer, unten im Tal, erstreckt sich der Weißensee beim gleichnamigen Füssener Ortsteil. Von dort aus kann man am großen Parkplatz "Weißensee Ost" kostenfrei das Auto stehen lassen und den sich rund zwei Kilometer steil hinaufschlängelnden Weg mit Fahrstraße zu Fuß durch den Wald nehmen.

 

Wem das zu mühsam ist, der kann auf dieser Fahrstraße auch ganz nah an den verwunschenen Alatsee heranfahren und auf einem großen Wanderparkplatz an seinen Ufern parken. Dieser Parkplatz ist kostenpflichtig. Es führt ein gut zu begehender Weg in rund einer halben Stunde um den See herum. Dieser Weg ist mal steinig und schmal, mal eben dann wieder leicht hügelig, mal asphaltiert und mal ein reiner Waldpfad. Dennoch ist er auch mit einem Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator leicht zu bewältigen. 

Daten, Zahlen & Fakten

Beim Alatsee handelt es sich um ein so genanntes "meromiktisches" Gewässer, das in einer schluchtartigen Senke rund 500 Meter höher als der Weißensee liegt. Die beiden Seen werden vom Unteren Weißenseeberg als auch vom Burkenbichlberg getrennt. Zur österreichischen Grenze sind es vom Alatsee aus nur 80 Meter und so kann man von hier aus auch herrliche Wandertouren ins nahe gelegene Vilstal in Österreich unternehmen. Der See  ist in seiner ost-westlichen Ausdehnung 490 Meter lang und besitzt eine Breite von 290 Metern. Er verfügt über eine maximale Tiefe von 32,1 Meter und seine gesamte Fläche misst ca. zwölf Hektar. Gespeist wird der Alatsee von Grundwasser, das später über den Faulenbach und weiter durch den Obersee und Mittersee zum Lech hin abfließt.

Das Ökosystem des Alatsees

Das geheimnisvolle am Alatsee rührt nicht zuletzt davon, dass er in einer Tiefe von 15 bis 18 Metern eine leuchtende Schicht von roten Purpur-Schwefelbakterien besitzt, die nahezu sauerstofflos ist. Woher diese enormen Schwefelkonzentrationen stammen ist bis heute ungeklärt. Zumindest führen sie dazu, dass der Alatsee über die Wintermonate keinerlei Wasserzirkulation erfährt, somit bleibt das schwefelhaltige Wasser in der Tiefe seit tausenden von Jahren unberührt am Boden liegen. Oberhalb dieser Schicht ist der See aber sehr sauerstoffreich und deshalb lebt dort auch eine Vielzahl an Fischen, Muscheln und Krebsen.

 

Trotz der giftigen Stoffwechselprodukte dieser purpurnen Schwefelbakterien und des Sauerstoffmangels der in der Tiefe herrscht, können Fische und andere Wasserwesen dort überleben. Es ließ sich sogar beobachten, dass sie in diese rosa-rote Schicht hineingeschwommen und am Ende wieder unversehrt herausgekommen sind, was recht unerklärlich erscheint, da jedes dieser Lebewesen eigentlich Sauerstoff zum Überleben braucht und sich dort keinerlei Sauerstoff befindet. Auch fand man hier diverse Bakterienarten, denen es unter anderen Umständen unmöglich ist, nebeneinander existieren zu können, im Alatsee funktioniert es dennoch. Den Abfluss des Sees nennt man Faulenbach, der  im gleichnamigen Füssener Teil- und Kurort Bad Faulenbach wieder zu Tage tritt. Auch hier lassen sich noch die erhöhten Schwefelwasserstoffkonzentrationen nicht nur messen sondern auch deutlich riechen, weshalb der "Faulenbach" diesen Namen trägt.

Mystisch-geheimnisvoller Alatsee

Diese purpurrote Schwefelschicht im Inneren des Sees, in dem Lebewesen zeitweilig auch ohne Sauerstoff überleben können, ist einer der Gründe, warum sich immer wieder zahlreiche mystische Geschichten um den Alatsee ranken. Und trotz dieses Überlebenswunders starben wiederholt große Mengen an Fischen, was zu weiteren Spekulationen führte. Man sagt dem See zudem nach, dass immer wieder unvorsichtige Wanderer in die Tiefe des Sees gezogen würden und in irgendwelchen Erdspalten verschwinden. Es ist sogar tatsächlich möglich sich durch Erdspalten am See zu zwängen um am anderen Ende nach Österreich zu gelangen.

Weiterhin halten sich zäh die Gerüchte, es leben drachenartige Fabelwesen im Alatsee, ähnlich wie das berühmte Seeungeheuer "Nessi" von Loch Ness. Auch umherhuschende Gespenster will man dort schon wahrgenommen haben. Durch die enge Schluchtlage des Sees kommt es häufig zu stärkeren Windströmungen, die zu Verkrüppelungen und Verwachsungen an den Bäumen führen. Insbesondere in der Abenddämmerung wirken diesen krummen und gebogenen Bäume und Sträucher sehr geheimnisvoll und mystisch, eben wie ein waschechter Zauberwald. Von spirituellen Deutern wird das als Zeichen vorhandener Kraftfelder und Kraftlinien gewertet. 

 

Im See wurden zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges mit Unterwassermodellen der Focke-Wulf Ta 154 außerdem Aerodynamik-Versuche durchgeführt. Davon zeugen bis heute noch große Eisengestelle, Eisenstangen und Waffen, die im See gefunden werden. Zudem geht bis zum heutigen Tage der Verdacht um, dass die Goldschätze der Deutschen Reichsbank, welche zuvor auf Schoss Neuschwanstein lagerten, im Alatsee versenkt worden seien. Das lockte später unzählige Schatzsucher und Taucher an, die vieles illegal geborgen haben, ein Schatz soll jedoch nie darunter gewesen sein. Diese Goldschatz-Gerüchte sorgten sogar dafür, dass der Alatsee als Schauplatz für den Allgäu-Krimi "Seegrund" diente, wo auch der berühmte Kommissar Kluftinger ermittelt hat. Das Tauchen im Alatsee ist heute jedoch nur noch für wissenschaftliche Zwecke und mit Sondergenehmigung möglich.

 

Nachweislich wurde die Umgebung des Sees auch nie besiedelt und noch bis in die Neuzeit hinein von der einheimischen Bevölkerung gemieden, weil hier immer etwas unheimlich erschien. Trotzdem ist seenah eine keltische Kultstätte gefunden und nachgewiesen worden.  Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der direkten Umgebung des Sees auch noch Gips abgebaut.

 

Diese ganzen Sagen und Mythen lassen den See bis heute bei den Einheimischen als verrufen gelten, wovon der arg- und ahnungslose Tourist natürlich nichts bemerkt. Er wird nur einen wunderschön gelegenen, glasklaren Bergsee von blau-grüner Farbe wahrnehmen, den man in einer kurzen aber aussichtsreichen Wandertour umrunden kann.

Der Alatsee als herrlicher Badesee

In den Sommermonaten erstrahlt der Alatsee mit glasklarem Wasser und man kann sich in seine glitzernden Fluten stürzen. Allerdings weist dieser kleine, hoch gelegene Bergsee ganzjährig frische Temperaturen auf. Aufpassen muss man auf seine steil abfallenden Ufer, er ist also für Kleinkinder zum Baden nicht geeignet. Es gibt auch keine Badeaufsicht, keine Umkleidekabinen und Toiletten, ebenso keinen Kiosk. Man kann jedoch Picknicken am See oder in das nachstehend genannte Hotel Alatsee einkehren und sich dort mit leckeren Speisen verwöhnen lassen. Da die Parkmöglichkeiten am Alatsee begrenzt sind, wurde speziell in den Monaten Juli und August in der Zeit von 09.00 bis 17.00 Uhr ein Auffahrverbot für den See erlassen, da der See sonst völlig überlaufen wäre und das Wildparken streng verboten ist.

Wandertour vom Alatsee zur Saloberalm

Ein wunderschöner Abstecher vom Nordufer des Alatsees führt hoch hinauf zur bewirtschafteten Salober Alpe. Der Weg zur Saloberalm ist gut beschildert und führt vom Alatsee aus in einem sehr steil ansteigenden aber gut befestigten Weg zur Alm. Hierfür benötigt man ungefähr 45 Minuten Gehzeit. Von hier oben, genießt man weitschweifende Rundumblicke in eine traumhaft schöne Gipfel- und Berglandschaft ringsum.

 

Weitere Wandertouren vom Alatsee aus führen ins österreichische Vilstal, ins Bad Faulenbacher Tal bei Füssen oder über die Tour mit dem so genannten "Zwei-Seen-Blick" ebenfalls nach Füssen.